Woher kommt das Böse? Ist der Islam böse?

Infolge der zuletzt vermehrt aufgetretenen Terroranschläge – insbesondere in Paris (13.11.2015) – und der damit verbundenen Berichterstattung traten in den gemeinde- und bezirksintern eingerichteten Foren unserer Jugendlichen (Facebook, WhatsApp) vermehrt Diskussionen zu den Fragen auf: Woher kommt das Böse? Warum lässt Gott Leid zu? Ist der Islam böse? Um diese aktuellen Fragen zu beantworten, luden zwei Jugendleiter zu einer Bezirksjugendstunde am 15.01.2016 nach Blankenburg (Harz) ein.

Die einladenden Jugendleiter begrüßten im Rahmen der Jugendstunde nicht nur die angereisten Jugendlichen und Interessierten, sondern auch zwei tief in ihrem Glauben verwurzelte Muslime (darunter der Öffentlichkeitsbeauftragte der IGMG Islamische Gemeinschaft Milli Görüs Goslar).

Im Rahmen eines Vortrages wurden den Jugendlichen, angelehnt an die Lehraussagen im Katechismus der Neuapostolischen Kirche, zunächst die Fragen: "Woher kommt das Böse? Gehört es zur Schöpfung Gottes?" beantwortet. Klarstellend wurde herausgearbeitet, dass Gott das Böse nicht geschaffen hat, sondern vielmehr in der freien Willensbildung des Menschen zugelassen hat. Durch den Abfall des Menschen von Gott konnte sich das Böse, personalisiert als Satan, Teufel und Antichrist, in seiner Wirkung entfalten. Hinsichtlich der sich anschließenden Frage: "Warum lässt Gott das zu?" konnte im Rahmen der Jugendstunde ein Perspektivwechsel bei den Teilnehmern erreicht werden. Aufgrund des freien Willens, den Gott den Menschen gegeben und bis heute bei ihnen belassen hat, muss die Frage vielmehr lauten: "Warum lässt der Mensch so etwas zu?" Gott darf nicht als Alibi für eingetretenes Leid und Tränen benutzt werden, der Mensch selbst ist Ursache dafür. Auch spielt Gott kein Marionettentheater mit den Menschen, indem er den Einzelnen in der Ausübung seines freien Willens, konkret in der Hinwendung zum Bösen, hindert.

Gott hat durch den Opfertod seines Sohnes über das Böse gesiegt. Er lässt das Böse zeitlich begrenzt weiter zu, hat aber die Macht es zu binden (Tausendjähriges Friedensreich) und zu richten (Endgericht). Die Annahme des von Gott jedem Menschen angebotenen Heils obliegt wiederum dem freien Entscheidungswillen des Einzelnen.

Der zweite Vortrag widmete sich der Frage: "Ist der Islam böse?" Zunächst wurden der geschichtliche Kontext des Islams und dessen zentrale Religionsaussagen und Glaubensüberzeugungen beleuchtet. Auszugsweise vorgetragene Passagen aus dem Koran entkräfteten dabei so manch in die Stunde hineingetragenes Vorurteil der Teilnehmer. Herauszuheben ist insbesondere, dass das Töten ebenso als Sünde angesehen wird, wie die Verfolgung und Ausgrenzung von Nichtmuslimen. Bei all der tagtäglichen Gewaltausübung unter Berufung auf den Islam behilft sich das Böse des Menschen als Werkzeug. Mit dem muslimischen Glauben haben diese Schreckenstaten nichts zu tun, vielmehr werden die Taten durch die Muslime in ihrer Glaubensüberzeugung strengstens verurteilt und abgelehnt.

Im Anschluss an die beiden Vorträge konnte im Rahmen einer Gesprächsrunde an in der Kirche verteilten Stehtischen das Gespräch unter den Teilnehmern gesucht werden. Insbesondere das Angebot, mit den anwesenden Muslimen ins Gespräch und in die Diskussion zu kommen, wurde rege genutzt.

Viele Fragen konnten im Rahmen dieser Jugendstunde beantwortet und manche Vorurteile abgebaut werden. So mancher Gedanke wurde anschließend in die Familien und Gemeinden hineingetragen und wird intensiv, aber aus einem anderen Blickwinkel als vorher, weiter diskutiert.

Text: M.K./ Fotos: O.B.