Jugendgottesdienst der Bezirke Halberstadt und Dessau am 30.08.2015 in Halberstadt

Es ist immer schön, Menschen zu treffen, die man noch nicht kannte, welche aber den gleichen Glauben haben, wie man selbst, oder die Menschen zu treffen, die man schon länger nicht gesehen hat. Diese Möglichkeit ergab sich für die Jugendlichen der Bezirke Halberstadt und Dessau bei einem gemeinsamen Jugendgottesdienst.

Zum Eingang sangen wir aus dem Lied 204 "Einen goldnen Wanderstab...". Der Dienstleiter Evangelist Thomas Seydler legte diesem Gottesdienst das Wort aus Lukas 5, 5.6 zugrunde:

"Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen."

Nach einem Lied des Jugendchores, welcher abwechselnd von Priester Micha Brandt aus Dessau und Katrina Lufter aus Oschersleben dirigiert wurde, begann Evangelist Seydler mit seiner Predigt. Er begann damit, die Begebenheit, die sich zu Jesu Zeit ereignete, kurz zu erzählen.

Damals, als Jesus anfing, den Menschen zu predigen, wollten ihn viele hören. So auch eines Tages, wo er zum See Genezareth in Nordisrael kam. Damit ihn alle besser hören und sehen konnten, ließ er sich von einem der Fischer, die sich am Ufer befanden, ein Stück raus auf den See fahren. Von dort aus lehrte er dann das Volk. Als er fertig war, sprach er zu Simon, dem Fischer, der ihn rausgefahren hatte: "Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fischfang aus!"

Darauf antwortete Simon: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.” Sie mussten sogar noch ihre Kollegen rufen, die ihnen halfen, die große Menge an Fischen zu sichern.

Diese Begebenheit soll zeigen, dass Gott uns helfen kann, aber wir müssen auch daran glauben und etwas dafür tun. Jesus hätte die Fische ja auch einfach ins Boot hüpfen lassen können. Nein, er wollte, dass Simon ihn erkennt und aus freien Stücken handelt.

Der Evangelist sprach auch vom letzten Teil dieser Begebenheit, wo Simon, Jakobus und Johannes alles stehen und liegen ließen, um Jesus nachzufolgen. Die Fischerei war damals eine sichere Arbeitsstelle und die drei verließen einfach alles und gingen in eine für sie ungewisse Zukunft. - Wie sieht es heute manchmal aus: Haben wir nicht auch manchmal Bekannte, die einfach ihren Arbeitsplatz aufgeben und etwas vollkommen Neues ausprobieren wollen? Dazu gehört eine Menge Mut!

Evangelist Seydler erzählte von einer Begebenheit, die sich in seinem Urlaub ereignete. Ein Mann fragte ihn nach dem Gottesdienst: "Welche zwei Tage im Jahr kann man nicht ändern?" Er wusste keine Antwort auf die Frage und ließ sich die Antwort sagen. Die Antwort war: "gestern und morgen". Ja, das stimmt, das Gestern kann ich heute nicht mehr verändern, es ist gelaufen, und für das Morgen kann ich heute nur die Wege ebnen, nicht aber kann ich entscheiden, wie alles laufen wird. Wir machen uns viel zu viele Gedanken um das Morgen und vergessen dabei, im Hier und Jetzt zu leben.

Wenn ein Kind aus dem Kindergarten kommt und dort im Sandkasten gespielt hat, sieht man das. Das Kind ist schmutzig und die Hosentaschen sind voller Sand. Wir würden uns in dem Moment schon wieder Gedanken machen, wer sieht uns jetzt alles. So kann ich doch nicht rumlaufen. Ein Kind jedoch würde diese Hose auch am anderen Tag wieder anziehen und sich darum überhaupt nicht sorgen.

Nach den Worten des Evangelisten sollte auch Priester Olaf Braune den Jugendlichen mitteilen, was ihn so bewegt. Er sprach davon, dass Simon von Jesu Worten sehr bewegt gewesen sein musste, sonst wäre er vermutlich nicht nochmals zum Fischen rausgefahren. In der Bibel steht, dass Simon Fischer war, also was von seinem Handwerk verstand. Jesus hingegen war "nur" der Sohn eines Zimmermanns. Es widerspricht unseren Vorstellungen, dass jemand, der eigentlich von dieser Aufgabe keine Ahnung hat, uns Anweisungen geben möchte. Wie mag es da Simon ergangen sein? Doch er nahm sich der Anweisung an und das Resultat kann sich sehen lassen.

Priester Olaf Braune brachte der Jugend auch ein Beispiel aus der aktuellen Zeit dar. Ein Bekannter aus der Kirche wollte sich in der DDR, in der Nähe eines Bahnhofes, ein Haus bauen. Dies ging damals aber nicht so wie heute, dass man mit einer Baufirma einen Termin vereinbart und die kommt dann - nein, wenn die Firma Zeit hatte, kam sie vorbei. So war es dann auch bei der erwähnten Familie. Es klingelte eines Freitagnachmittags der Zimmerer aus dem Ort bei ihm und sagte: Mir ist ein Kunde abgesprungen, am Montag komme ich und baue dir den Dachstuhl. Der Bauherr nickte nur stumm. Das Problem bei der Sache war nämlich, dass von dem Haus bisher nur das Fundament stand. Das Ehepaar kniete sich hin und betete - hier konnte nur noch ein Wunder helfen. Als sie fertig waren mit Beten, klingelte es wieder an ihrer Tür. Diesmal waren es zwei russische Offiziere. Sie standen schon mehrere Stunden mit ihrem Zug ohne Verpflegung und Getränke bei großer Hitze am benachbarten Bahnhof und fragten die Familie, ob sie zwei Eimer Wasser für ihre ca. 50 Mann starke Besatzung bekommen könnten. Unser Glaubensbruder gab ihnen, was sie wollten, und fragte sie, ob sie ihm vielleicht bei seinem Problem helfen könnten. Es stellte sich heraus, dass es sich bei den Soldaten um einen Bautrupp handelte, und die Offiziere erklärten bereitwillig ihre Unterstützung. Sie vereinbarten mit dem Lokführer, dass er, wenn es weiter gehen sollte, dreimal hupt, dann kommen sie gerannt. Der Zug mit den Soldaten stand das ganze Wochenende. Die Soldaten bauten das Haus und die Familie versorgte sie mit allem, was zu essen und zu trinken im Ort erhältlich war. Nachdem das Haus fertig war und die Bausoldaten sich gestärkt hatten, erklang auf einmal - nicht eine Stunde zu früh - das vereinbarte Signal von der Lok. Die Soldaten liefen zum Zug und es ging weiter für sie. Der Zimmerer staunte am Montag nicht schlecht, als er kam, um das Dach zu Machen, und erfuhr, wie das Haus am Wochenende gebaut worden war. Auch heute gibt es Wunder - wir müssen Gott nur freie Hand lassen und die menschlichen Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten auch mal ausblenden.

Nach dem Abendmahl und dem Schlusssegen hatten einige Mitglieder der Gemeinde Halberstadt schon für das Mittagessen gesorgt. Salate waren von den Jugendlichen mitgebracht worden und die Würstchen brutzelten auf dem Grill. So musste keiner nach dem späten Gottesdienst hungern und es konnte sich noch einmal ausgetauscht werden, bevor man dann gestärkt wieder den Heimweg antrat.

Text: F.C. Bilder: P.B.